Vattertach!

Eine biographische Herrenpartie

Die Babyboomer-Generation ist eine Generation, die als Kriegsenkel die Traumata der eigenen Eltern und Großeltern zu bewältigen hat und in der Breite noch in Familien aufgewachsen ist, in der die klassische Rollenverteilung galt. Dieses Rollenmodell ist zwar dabei sich zu verändern, aber trotzdem finden die Männer schwer aus ihren alten Mustern heraus. Es ist, als stünden die Väter mit einem Bein in einem Zeitalter, mit dem anderen in einem anderen. Daran haben auch die Mütter ihren Anteil: In Haushalten mit dem traditionellen Einzelernährer-Modell haben nach wie vor sie den ersten „Zugriff“ auf das Kind und halten die Männer davon ab, Verantwortung zu übernehmen.

Am Vatertag, welcher jedes Jahr am Christi Himmelfahrtstag begangen wird, haben die Väter frei und machen eine alkoholisierte Bollerwagen-Wanderung. Im Gegensatz zum Vatertag in anderen Ländern und zum Muttertag, in deren Zentrum der Dank der Kinder für eine Lebensleistung steht, feiern in Deutschland die Väter mit der „Herrenpartie“ hauptsächlich sich selbst. Ein mehr als 1500 Jahre alter religiöser Festtag wird durch ein Trinkritual mit Exzessen ersetzt. In diesem Sinne startet „Vattertach!“ mit 4 Schauspielern, alle selbst Väter, mit dieser „Herrentagspartie“ im öffentlichen Raum, um bei den kursierenden Klischees u. Halbwahrheiten über Männer/Väter zu starten und zu humorvoll zu überprüfen, wie weit die „neuen“ Männer heute davon entfernt oder doch nicht so entfernt sind. Im Laufe der „Partie“ vorbei an Kinderspiel-, Fußballplätzen und Kneipen landen wir dann im Theaterraum in den Herzkammern der Väter und ihrer gelebten Wirklichkeit, indem die Spieler sich durch Erinnerung, durch Dialoge mit dem mitwanderndem Publikum, durch Musik und Spiel ihren Lebenslinien, Parallelen und Mustern von der Großväter-Generation bis hin zu den eigenen Kindern annähern.

Der Stücktext wird aus Interviews mit dem Vatertags-Team und auch anderen Vätern in einen flirrenden, kaleidoskopischen Theatertext kondensiert. Das Publikum wird sprichwörtlich mit auf die Reise genommen und auf anschauliche, sinnliche und humorvolle Art ermutigt eigene Wege der Emanzipation zu gehen. Diese Arbeit will einen Anreiz bieten eigene Lebenslinien zu verfolgen und in Kommunikation mit der eigenen Familie zu kommen, welche in der Generation zuvor nicht oder zur wenig stattgefunden hat. Ausgehend von heute soll der Bogen geschlagen werden zu der Lebenswirklichkeit der eigenen Väter und Großväter hin zu den eigenen Kindern.

Über Carola von Seckendorff ist auf dem Portal Kulturkenner NRW „uNRWartet familiär“ in Bezug auf ‚Vattertach‘ ein Portrait » erschienen.

Text und Regie Carola von Seckendorff
Geschäftsführung Cornelia Kupferschmid
Spiel Konrad Haller, Ulrich Bärenfänger, Stefan Naszay, Thorsten Hölters
Regieassistenz und Videodokumentation Jens Krause